Das Altersvorsorgedepot ist im Mai 2026 beschlossen worden. Die Richtung: Starke Altersvorsorge am Kapitalmarkt, Vereinfachung von Förderstrukturen und Unterstützung der gesetzlichen Altersvorsorge. Auch, wenn das Altersvorsorgedepot einfacher gestaltet sein soll, bedarf es doch einiger Erklärungen und meiner Meinung nach auch einer eingehenden Beratung.
Was ist das Altersvosorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot löst die bekannte Riesterrente ab. Während auf die Riesterrente häufig geschimpft wird, hatte diese zum Ziel, besonders einkommensschwache Familien in der Altersvorsorge zu unterstützen. Das neue Altersvorsorgedepot (kurz AVD) gibt einer viel größeren Zielgruppe die Möglichkeit, die Altersvorsorge staatlich fördern zu lassen.
Das AVD orientiert sich dabei an herkömmlichen Depots. Das Ziel ist das Investment am Aktienmarkt und die damit verbundenen Renditen zu nutzen, um nachhaltig die gesetzliche Rente zu unterstützen. Maximal förderfähig ist ein Beitrag bis 1.800 EUR im Jahr bzw. 150 EUR im Monat. Das Depot darf dabei aus ETFs und Rentenfonds bestehen. In Einzelaktien zu investieren, ist nicht möglich.
Die Fördermöglichkeiten
Die Grundzulage für die Eigenbeiträge steigt auf 540 EUR pro Jahr. Die Zulagen für Kinder bleiben weiterhin bei 300 EUR pro Jahr und die Berufseinsteigerförderung bei 200 EUR einmalig. Das Fördersystem orientiert sich nicht wie bisher am Verdienst, sondern an den Einzahlungen in den Vertrag. Hier wird es etwas komplizierter:
Die Grundzulage: Die Grundzulage wird bis 360 EUR mit 50% bezuschusst. Für jeden eingezahlten EUR bekommst du also 50 Cent vom Staat dazu. Der maximale Bonus in dieser Stufe ist 180 EUR. Zwischen 360 EUR Einzahlung und 1.800 EUR Einzahlung gibt es für jeden eingezahlten Euro nur noch 25 Cent Förderung. Bei einer Einzahlung von 1.800 EUR im Jahr reizt man die Grundzulage mit 540 EUR vollständig aus.
Die Kinderzulage: Hier ist die Fördermechanik einfacher. Für jeden EUR bekommst du 100% Förderung. Sprich du zahlst 1 EUR ein und bekommst 1 EUR als Förderung dazu. Die Förderung ist bei einer Einzahlung von 300 EUR im Jahr bereits voll ausgeschöpft.
Der Berufseinsteigerbonus: Diese Förderung erhältst, wenn du vor deinem 25. Geburtstag ein Altersvorsorgedepot einrichtest. Du musst dabei die Mindestspargrenze von 120 EUR im Jahr einzahlen, sodass die Prämie auch gutgeschrieben wird.
Die höchste Förderquote hast du also mit einem Beitrag von 30 EUR im Monat.
Einzahlungen von 1.801 EUR bis 6.840 EUR werden wie die dritte Schicht der Altersvorsorge behandelt, werden aber nicht mehr gefördert.
Einschränkungen und Unterschiede zur Riesterrente
Neben der starken Entwicklung und dem Schritt, auch am Kapitalmarkt investiert zu sein, verlangt der Staat für seine Förderungen auch gewisse Einschränkungen. Diese können teilweise sehr tückisch sein, insbesondere wenn man von der Riesterrente in die neue Förderung wechseln möchte. Die folgenden Einschränkungen gelten für das Standarddepot. Derzeit gibt es keine konkreten Lösungen von Investmentfirmen oder Versicherern.
- Einschränkungen im Portfolio: Es darf im AVD maximal ein ETF mit der maximalen Risikoklasse 5 und ein Rentenfonds mit der maximalen Risikoklasse 2 bespart werden. Einmal ausgewählt, bleibt die Strategie bis zum Renteneintritt bestehen. Eine Änderung ist nicht mehr möglich. Zur Einordnung: Der MSCI World ist meist Risikoklasse 4.
- Der Kostendeckel: Es darf im Standarddepot maximal 1% Gesamtkosten geben. Diese werden aller Voraussicht nach weit unterboten werden, insbesondere wenn NeoBroker ihre Angebote machen.
- Keine Garantiemöglichkeiten: Im Standarddepot sind keine Garantien möglich.
Im Unterschied zur Riesterrente gibt es jetzt einen viel größeren förderberechtigten Personenkreis. Ganz neu ist die Förderung von Selbstständigen und Freiberuflern und Mitglieder von berufsständischen Versorgungswerken. Das ist ein erheblicher Meilenstein in der Altersvorsorge. Außerdem richtet sich die Förderung wie oben beschrieben nicht mehr nach dem Einkommen, sondern nach den eingezahlten Beiträgen. Dies kann ein Nachteil sein, insbesondere wenn das Einkommen sehr gering ausfällt.
Pauschal kann man die Grenze für die Förderung bei 30 EUR monatlichem Beitrag ziehen: Bezahlst du weniger und bekommst die vollen Förderungen, so lohnt sich für dich die Riesterrente eher. Bezahlst du mehr, ist ein Wechsel sehr sinnvoll. Ich empfehle dir, immer individuell hinzuschauen, bevor du dich für eine Förderung entscheidest. Wechselst du einmal in das neue System, kommst du nicht mehr in die alte Förderung zurück.
Ein weiterer Faktor, der wichtig für dich sein kann, ist das Renteneintrittsalter. Während du die Riesterrente schon ab dem 62. Lebensjahr beziehen konntest, kannst du im AVD erst ab 65 auf die Rente zugreifen. Gerade für Menschen, die nicht mehr lange bis zur Rentenphase haben, ist es enorm wichtig, diesen Punkt zu berücksichtigen.
Neben dem Standarddepot wird es noch weitere Versicherungs- und Investmentlösungen geben. Diese haben etwas mehr Spielraum und auch nicht den genannten Kostendeckel. Dafür sind Garantien und Strategiewechsel möglich. Derzeit bleibt es noch abzuwarten, was die Unternehmen in diesem Bereich final anbieten können.
Die Gestaltung der Auszahlungsphase
Wenn du in Rente gehen kannst und das AVD in die Auszahlungsphase geht, ist eine Verrentung bis mindestens 85 vorgesehen. Wie diese im Endeffekt bei Banken und Brokern aussieht, steht noch nicht fest. Dies wird eine große Herausforderung für diese Unternehmen. Deshalb ist es sehr wichtig, vorher genau zu prüfen, ob und was ich bei einzelnen Anbietern abschließe.
Während in der Ansparphase die Einzahlungen steuerlich berücksichtigt werden können, werden die Beiträge im Alter wieder voll steuer- und sozialversicherungspflichtig. Dieser Faktor wird sehr häufig unterschätzt.
Wenn du eine Riesterrente besparst, kannst du zur Auszahlungsphase aber auch in ein AVD wechseln, sofern du das wünscht. Du bist nicht an die Auszahlungsphase der Riesterrente gebunden.
Das Kapital bleibt weiterhin investiert und verzinst sich entsprechend der Marktentwicklung.
Fazit
Das neue Altersvorsorgedepot ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es gibt viele Vorteile gegenüber der aktuellen Riesterrente, aber auch einige Nachteile. Auf der einen Seite finde ich es persönlich sehr schade, dass die Bundesregierung schon angekündigt hat, dass ihre Version des Standarddepots nicht passend zum 01.01. verfügbar sein wird. Auf der anderen Seite finde ich es verwerflich, dass bereits Banken und Broker das AVD anbieten, obwohl es noch kein konkretes Produkt gibt und noch einige Herausforderungen gelöst werden müssen. Das ist in etwa wie ein Autokauf, bei dem der Vertrag bereits unterschrieben ist, aber nicht klar ist, welches Auto ich bekomme.
Deswegen lasse dich beraten! Prüfe deine Situation genau und entscheide dich, wenn du die entsprechenden Informationen hast. Wenn du keinen Ansprechpartner hast, buche dir am besten jetzt noch einen Termin.












