Wer langfristig Geld investieren möchte, steht vor einer grundlegenden Frage: Soll das Geld möglichst einfach den weltweiten Aktienmarkt abbilden oder soll die Geldanlage gezielt bestimmte Eigenschaften von Unternehmen berücksichtigen? Genau an diesem Punkt setzt Dimensional an. Die Investmentstrategie verbindet eine breite Streuung über viele Unternehmen mit einem wissenschaftlich fundierten Ansatz. Dabei spielen unter anderem Unternehmensgröße, Bewertung und Profitabilität eine Rolle.
Doch was unterscheidet diese Strategie von einem klassischen Welt-ETF und für wen kann sie interessant sein?
Was ist ein Dimensional ETF?
Dimensional ist ein US-amerikanischer Vermögensverwalter, der seit den 1980er-Jahren Investmentstrategien auf Basis wissenschaftlicher Kapitalmarktforschung entwickelt. Ein klassischer Index wie der MSCI World gewichtet Unternehmen im Wesentlichen nach ihrer Marktkapitalisierung. Je größer ein Unternehmen an der Börse ist, desto größer ist normalerweise sein Anteil im Index.
Dimensional verfolgt einen anderen Ansatz. Das Unternehmen investiert ebenfalls sehr breit, berücksichtigt bei der Zusammenstellung der Portfolios aber zusätzliche Merkmale von Unternehmen.
Dazu gehören insbesondere:
- Unternehmensgröße: Small und Mid Caps werden stärker berücksichtigt.
- Bewertung: Günstiger bewertete Unternehmen können stärker gewichtet werden.
- Profitabilität: Unternehmen mit höherer Profitabilität werden bevorzugt.
- Diversifikation: Das Portfolio wird über sehr viele Unternehmen, Länder und Branchen verteilt.
Dadurch entsteht kein klassischer passiver Indexfonds, sondern ein systematischer Investmentansatz.
Bis zu 13.500 Unternehmen in einem Portfolio
Ein wesentlicher Unterschied zu vielen bekannten Welt-ETFs ist die Breite der Anlage. Der Dimensional World Equity Fund umfasst mehr als 13.000 Unternehmen aus unterschiedlichen Regionen und Unternehmensgrößen. Neben großen Konzernen finden sich deshalb auch zahlreiche kleinere Unternehmen im Portfolio.
Zum Vergleich: Ein klassischer MSCI World konzentriert sich auf Large und Mid Caps aus den entwickelten Ländern und umfasst deutlich weniger Unternehmen. Die größere Anzahl an Unternehmen bedeutet nicht automatisch eine höhere Rendite. Sie sorgt aber für eine sehr breite Streuung des Anlagekapitals. Für Anleger kann das interessant sein, wenn sie nicht nur auf die bekannten Großkonzerne setzen möchten.
Small und Mid Caps: Warum sind sie interessant?
Small Caps sind kleinere börsennotierte Unternehmen, Mid Caps liegen größenmäßig zwischen Small Caps und den großen Konzernen.
Ein klassischer Weltindex wird stark von Large Caps geprägt. Unternehmen wie Apple, Microsoft oder Nvidia haben aufgrund ihrer enormen Börsenwerte einen entsprechend hohen Einfluss auf die Wertentwicklung.
Dimensional berücksichtigt dagegen auch kleinere Unternehmen. Der Gedanke dahinter: Kleinere Unternehmen können langfristig andere Renditeeigenschaften aufweisen als sehr große Konzerne. Gleichzeitig sind sie häufig schwankungsanfälliger und wirtschaftlich weniger robust. Damit steigt auch das Risiko.
Der Faktoransatz von Dimensional
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Strategie sind sogenannte Faktoren.
Ein Faktor beschreibt vereinfacht eine bestimmte Eigenschaft von Unternehmen, die langfristig mit unterschiedlichen Rendite- und Risikomerkmalen verbunden sein kann. Besonders relevant sind bei Dimensional:
Size: Kleinere Unternehmen werden stärker berücksichtigt.
Value: Unternehmen mit einer vergleichsweise niedrigen Bewertung werden bevorzugt.
Profitabilität: Unternehmen mit einer höheren Profitabilität erhalten ein höheres Gewicht.
Diese Faktoren werden nicht einfach nach Bauchgefühl ausgewählt. Die Portfolios werden anhand systematischer Regeln gesteuert. Das unterscheidet den Ansatz von einem klassischen aktiv gemanagten Fonds, bei dem ein Fondsmanager einzelne Aktien aufgrund eigener Einschätzungen auswählt.
Welche Risiken gibt es?
Auch eine sehr breite Streuung schützt nicht vor Verlusten.
Ein Dimensional ETF bleibt eine Aktienanlage. Deshalb können die Kurse in starken Börsenphasen deutlich fallen. Zwischenzeitliche Verluste von 30 Prozent oder mehr sind bei Aktienmärkten grundsätzlich möglich. Hinzu kommen einige spezielle Risiken:
Small-Cap-Risiko: Kleinere Unternehmen können stärker schwanken.
Faktorrisiko: Value-, Size- oder Profitabilitätsfaktoren können über längere Zeiträume schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt.
Währungsrisiko: Ein globales Portfolio investiert in zahlreiche Fremdwährungen.
Länderrisiko: Schwellenländer können höhere politische und wirtschaftliche Risiken aufweisen.
Ein Faktoransatz ist deshalb kein Garant für eine höhere Rendite.
Dimensional ETF oder klassischer Welt-ETF?
Die entscheidende Frage ist nicht, welcher Ansatz grundsätzlich besser ist. Entscheidend ist, welche Strategie zum eigenen Anlageziel passt.
Ein klassischer Welt-ETF verfolgt einen sehr einfachen Ansatz: möglichst günstig und breit den jeweiligen Index abbilden. Dimensional geht einen Schritt weiter und versucht, bestimmte Renditetreiber systematisch zu nutzen.
Vereinfacht gesagt:
| Klassischer Welt-ETF | Dimensional |
|---|---|
| Marktkapitalisierungsgewichtet | Faktororientierter Ansatz |
| Schwerpunkt auf Large/Mid Caps | stärkere Berücksichtigung kleiner Unternehmen |
| Index möglichst exakt abbilden | systematische Portfoliosteuerung |
| sehr einfach nachvollziehbar | komplexerer Investmentansatz |
| häufig sehr niedrige Kosten | teilweise höhere Kosten |
Beide Ansätze können für eine langfristige Geldanlage sinnvoll sein.
Welche Strategie passt zu dir?
Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte nicht mit der Frage beginnen: „Welcher ETF ist der beste?“ Sinnvoller ist eine andere Reihenfolge:
1. Anlageziel definieren
Wie viel Kapital soll aufgebaut werden und wann wird das Geld benötigt?
2. Risiko festlegen
Wie viel Schwankung kann und will ich während der Anlagezeit aushalten?
3. Diversifikation bestimmen
Soll ausschließlich in große Unternehmen investiert werden oder sollen Small und Mid Caps ebenfalls eine größere Rolle spielen?
4. Strategie auswählen
Erst danach sollte entschieden werden, ob ein klassischer Welt-ETF, ein Faktoransatz oder eine Kombination verschiedener Strategien sinnvoll ist.
5. Kosten und Umsetzung prüfen
Nicht nur die Fondskosten sind relevant. Auch Depotkosten, Transaktionskosten, Steuern und die konkrete Umsetzung der Geldanlage sollten berücksichtigt werden.
Fazit
Ein Dimensional ETF kann eine interessante Alternative zu einem klassischen Welt-ETF sein. Die Strategie kombiniert eine sehr breite Diversifikation mit einer gezielten Berücksichtigung von Faktoren wie Unternehmensgröße, Bewertung und Profitabilität.
Der entscheidende Punkt ist jedoch: Mehr Faktoren bedeuten nicht automatisch mehr Rendite. Sie verändern vielmehr die Art und Weise, wie das Portfolio zusammengesetzt ist und können zu anderen Renditeverläufen führen.
Wer langfristig investieren möchte, sollte deshalb weniger nach dem vermeintlich besten ETF suchen und sich stattdessen mit der eigenen Anlagestrategie beschäftigen.
Denn ein guter Investmentplan sollte nicht nur in guten Börsenjahren funktionieren. Er muss vor allem zu den eigenen Zielen, dem persönlichen Risikoempfinden und dem geplanten Anlagehorizont passen.














